Thyssen Krupp – Ein Zombieunternehmen

Bildquelle: Thyssen Krupp AG

Der ehemalige Stahlriese Thyssen Krupp leidet nach wie vor unter unternehmerischen Fehlentscheidungen die schon über ein Jahrzehnt zurück liegen. In 2005 wollte das damalige Management groß in den amerikanischen Stahlmarkt einsteigen. Neben einem Werk in den USA sollte ein großes, eigenständiges Werk in Brasilien gebaut werden. Niedrigere Rohstoff- und Energiekosten und weniger strenge Umweltauflagen trieben das Management damals zu diesem Entschluss. Die Baukosten wurden vorab in einer McKinsey Studie auf 1,9 Milliarden Euro geschätzt. Bereits Ende 2008 musste Thyssen diesen Betrag dann auf mehr als 4,5 Milliarden Euro verdoppeln.

Die Probleme begannen damals schon bei der Auftragsvergabe. Anstatt für die Erstellung von Kernkomponenten des Werkes den deutschen Hersteller Uhde zu beauftragen, entschied sich Thyssen für einen chinesischen Konkurrenten welcher ein um 60 Millionen billigeres Angebot abgegeben hatte

Leider lieferten die Chinesen nicht die gewünschte Qualität. Neben Verzögerungen führte dies dazu, minderwertige Teile des Werkes, unter anderem die Kokerei, mit erheblichem Aufwand nachbearbeitet oder sogar neu aufgebaut werden mussten. Immer und immer wieder wurde das Budget überschritten und Thyssen musste weiteres Geld in die Hand nehmen um die Probleme in den Griff zu bekommen.

Zudem brauch dann aufgrund der Finanzkrise die Weltwirtschaft zusammen. Die USA benötigte weniger Stahl und China fuhr kontinuierlich die eigene Produktion nach oben. Da viele Ausgaben in der brasilianischen Währung Real erfolgten, belastete die Stärke dieser Währung zum Euro zusätzlich das Budget. Das Anlaufen des Werkes, eigentlich für 2008 geplant, verschob sich wegen der Baumängel auf Mitte 2010.

Doch auch nach der Eröffnung gingen die Probleme weiter. Da die Abläufe nicht richtig funktionierten kam es zu erheblichen Umweltbelastungen, welche nach einer Weile die nationalen Behörden in Brasilien auf den Plan riefen. Es gab zahlreiche Verfahren und Thyssen musste weiter investieren um die anhaltenden Probleme in den Griff zu bekommen und hunderte Klagen der betroffenen Anwohner beizulegen, auf welche über einen längeren Zeitraum Asche aus dem Werk regnete.

Insgesamt investierte Thyssen 12 Milliarden Euro um das Geschäft in Nordamerika aufzubauen. Bereits in 2014 wurde das Stahlwerk in den USA an Arcelor-Mittal und Nippon Steel verkauft. In 2017 fand sich auch endlich mit Ternium ein Käufer für das brasilianische Werk. Der Kaufpreis: Lediglich 1,5 Milliarden Euro. Insgesamt kostete Thyssen sein Amerikaabenteuer über 8 Milliarden Euro die abgeschrieben werden mussten.

Das Investment, welches als eines der größten deutscher Unternehmen im Ausland in die Geschichte eingehen sollte, entwickelte sich zu einem riesigen Planungs- und Missmanagement Desaster, welches bis heute tiefe Spuren in der Bilanz von Thyssen hinterlassen hat. Die Finanzschulden betragen 31 Milliarden Euro, was in Zeiten von höheren Zinsen sicherlich existenzbedrohlich wäre. Die Eigenkapitalquote des wenig profitablen Konzerns beträgt lediglich etwas über 8 Prozent. Das sind alarmierende Zahlen.

Da hilft auch der nun angestrebte Umbau zu einem Industriekonzern nicht viel. Thyssen will nun den Rest der Stahlsparte mit der indischen Tata fusionieren. Obwohl die beiden Unternehmen seit 2017 in Gesprächen sind steht die Fusion weiter auf der Kippe. Die EU Kommission hat Wettbewerbsbedenken. Zuletzt boten die Unternehmen an, Werke in Spanien, Belgien und Großbritannien zu verkaufen um doch noch eine Genehmigung zu erhalten. In wie weit sich die EU Wettbewerbshüter darauf einlassen werden ist aber noch ungewiss. Angesichts der Unsicherheiten und schwachen Bilanzstruktur raten wir trotz des niedrigen Aktienkurses von einem Investment ab.

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