Steinhoff – Wie ist der PwC Bericht zu bewerten?

Bildquelle: Steinhoff International Holdings

Der international tätige Möbelkonzern Steinhoff, welcher seine Ursprünge in Deutschland hat, jedoch von Südafrika aus geführt wird, befindet sich seitdem Ende 2017 Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung entdeckt wurden im Umbruch. Wurden bis dahin immer größere Zukäufe getätigt, wie beispielsweise Coforama von PPR in 2011 oder der 3,4 Milliarden Euro Deal mit dem US Unternehmen Mattress Firm, befindet sich Steinhoff seitdem auf Schrumpfkurs. So wurden unter anderem der 50% Anteils an Poco an XXXLutz für 266 Mio. Euro sowie den Kika/Leiner an die Sigma Holding veräußert um dringend notwendige Liquidität zu schaffen. Alleine die Kika Tochtergesellschaft Hemisphere wurde nach der Transaktion mit 324 Millionen Euro bewertet.

Derzeit prüft das Unternehmen laut Angaben des Nachrichtendienstes Bloomberg den Verkauf von Büro- und Gewerbeimmobilien sowie von Produktionsstätten im Wert von 400 Millionen Euro um den Schuldenberg weiter abzutragen und die Finanzverbindlichkeiten zu restrukturieren. Diese befinden sich in West- und Osteuropa wie beispielsweise in Großbritannien, Deutschland, Polen oder Ungarn. Steinhoff soll bereits das Unternehmen Eastdil Secured LLC beauftragt haben den Verkauf zu prüfen. Seit Oktober sucht Steinhoff laut Medienberichten auch einen Käufer für die französische Tochter Coforma, welche derzeit profitabel ist.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) wurde mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt um das genaue Ausmaß der bilanziellen Ungereimtheiten zu untersuchen. Nach zweimaliger Verschiebung liegt das Gutachten jetzt dem Unternehmen vor. Und das über 3000 Seiten umfassende Werk hat es in sich. Laut PWC hat Steinhoff im Zeitraum zwischen 2009 und 2017 seine Umsätze und Gewinne künstlich nach oben frisiert. Insgesamt geht es um Geschäfte mit einem Volumen von immensen 6,5 Milliarden Euro, welche „mit vorgeblich unabhängigen Dritten“ gemacht wurden um „Gewinne und Firmenwerte aufzublähen“. Gedreht wurden die Geschäfte von einer kleinen Gruppe von Steinhoff Mitarbeitern unter der Führung eines hochrangigen Managers. Laut Unternehmensangaben ist keiner der Angestellten mehr für Steinhoff tätig und das Unternehmen bereitet Klagen gegen einige der Personen vor. Die jeweiligen Mitarbeiter wurden namentlich nicht genannt. Es wurde noch bekannt gegeben, dass der ehemalige CEO Markus Joosten nicht an der Erstellung des Gutachtens mitwirkte, da er sich nicht von PwC befragen lassen wollte. 

Die Steinhoff Aktie konnte nach der Berichterstattung Freitag zweistellig zulegen. Die genannte Summe von 6,5 Milliarden erscheint nicht extrem hoch wenn man in Relation setzt, dass Steinhoff bereits Assets im Wert von 10,5 Milliarden seitdem der Skandal bekannt geworden ist abgeschrieben hat. Unklar bleibt, wie die südafrikanische Aufsichtsbehörde FSCA das Gutachten bewerten wird und wie nun in Zusammenarbeit mit dem aktuellen Steinhoff Vorstand weiter in dieser Sache vorgegangen wird. Die Behörde hat angekündigt auf das Unternehmen zuzugehen sobald das Gutachten vorliegt. Unklar ist ebenso weiterhin, ob die ehemaligen Vorstände oder das Unternehmen selbst im Fokus der Ermittlungen stehen.

Die zuletzt veröffentlichten Zahlen zum ersten Quartal waren nicht nur ungeprüft sondern auch nicht wirklich aussagekräftig. Der Umsatz der fortgeführten Aktivitäten stieg um 3% leicht auf 4,69 Milliarden Euro an. Pepkor und Poundland konnten die stärksten Zuwachsraten vermelden und auch die zuletzt in Schwierigkeiten befindliche US Beteiligung Mattress Firm konnte den Umsatz stabilisieren. Angaben zur Ergebnisentwicklung gab es jedoch keine.

Die aktuellen Zahlen geben nur eine kleine Indikation in welche Richtung sich die Steinhoff Aktie bewegen wird. Operativ läuft es besser als von Vielen erwartet. Obwohl noch keine detaillierten Erkenntnisse vorliegen fällt der PWC Bericht auf den ersten Blick besser aus als erwartet. Dies sehen auch die Anleger so. Weiterhin unklar ist, in wie weit der Schuldenberg abgetragen werden und eine weitere Einigung mit den Kreditgebern bezüglich der Restrukturierung der Finanzschulden erreicht werden kann. Nur mutige Investoren zocken und kaufen sich die Aktie derzeit.  

(Visited 225 times, 1 visits today)