Royal Mail: Das Dividendenbiest

Royal Mail ist die nationale Postbehörde in Großbritannien und ist dort für den Paket wie Briefversand zuständig. Außerhalb Großbritanniens ist das Unternehmen durch den auch in Deutschland bekannten Paketdienst GLS tätig und will hier von Europa aus die Welt erobern. Insgesamt operiert Royal Mail in 44 Ländern, beschäftigt 160.000 Mitarbeiter und versendet jedes Jahr über 14 Milliarden Briefe und 1,8 Milliarden Pakete. Lange Zeit unter staatlicher Kontrolle wurde das Unternehmen 2013 an die Börse gebracht.

Bilduelle: Royal Mail PLC

Die Sparte Uk Parcels, International & Letters ist der klassische Postversand auf der Insel. Hier stellt Royal Mail an sechs Tagen die Woche zu einheitlichen Preisen Postdienstleistungen für 30 Millionen Haushalte in Großbritannien zur Verfügung. Wie in allen europäischen Ländern hat diese Sparte mit niedrigerem Volumen zu kämpfen, da der Versand von persönlichen Briefen sowie Rechnungen als auch von Werbung weiter zurück geht und sich mehr und mehr auf elektronische Medien verlagert. Das Geschäft ist zudem sehr personalintensiv. Diesen Problemen stehen aber alle europäischen Postdienstleister gegenüber.

Wachstumstreiber ist die Sparte GLS die in Europa in 41 Ländern aktiv ist. Durch Akquisitionen soll das Geschäft auch in Nordamerika ausgebaut werden. GLS erreicht hier 8 Weststaaten der USA sowie die kanadischen Provinzen Quebec und Ontario an der Ostküste. Insgesamt werden über das Netzwerk 270.000 Kunden beliefert. Flexible Lieferoptionen, mondernste Trackingsysteme und eine hervorragende IT haben dazu beigetagen, sowohl Business als auch Endkunden zu gewinnen. Bereits jetzt erwirtschaftet dieser Bereich ein Drittel der Gewinne der Royal Mail mit stark steigender Tendenz.

Bildquelle: bigcharts.com

Die Aktie geriet zuletzt stark unter Druck. Neben der Brexit Angst, unter der alle Unternehmen in England leiden, gab es im Oktober eine Gewinnwarnung. Der Jahresgewinn wird nur mehr mit 500 bis 530 Millionen Pfund erwartet (2017: 694 Millionen). Das um 7% zurückgegangene Briefgeschäft konnte nicht durch das um 6% gesteigerte Paketvolumen abgefangen werden. Ebenso wurden die Kostensenkungsziele bei weitem nicht erreicht.

Sie fragen ich jetzt sicher, warum man diese Aktie kaufen sollte.

  • Das Unternehmen zahlt eine bisher hervorragende Dividende in Höhe von zuletzt 0,24 Pfund (derzeit 0,29 Euro) je Aktie und hat angekündigt auch weiterhin eine aktionärsfreundliche Dividendenpolitik zu betreiben. Obwohl die Analysten keine Dividendenkürzung erwarten, rechnen wir damit, dass diese aufgrund der schlechteren Ergebnisse etwas gestutzt wird. Dennoch sollten die Anleger weiterhin eine ordentliche quellensteuerbefreite Rendite von über 5% einfahren.
  • Das Unternehmen ist bilanziell grundsolide und hat im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Postunternehmen eine sehr solide Eigenkapitalquote in Höhe von 60% und Nettofinanzschulden von nur 470 Millionen Pfund.
  • Wir rechnen mit weiteren Übernahmen im Paketbusiness zu tätigen. Erst letzten Oktober wurde in Kanada Dicom für 360 Millionen kanadische Dollar zugekauft und wird in GLS integriert.
  • Die Gewinnmargen von Royal Mail sind derzeit sehr schlecht. Hier besteht ein riesiger Hebel wenn es gelingt die Kosten in den Griff zu bekommen. Umsatzseitig wird im margenschwachen Briefbusiness nun der Hebel auf der Topline angesetzt und das innerländische Briefporto bereits von 0,67 auf 0,7 Pfund angehoben.
  • Ist die Brexit Angst übertrieben. Jüngst verlangte die politische Opposition in England bereits eine neue Abstimmung. Premierministerin Theresa May bot auch indirekt eine Verschiebung des Austrittstermins an.

Royal Mail überzeugt mit einer hohen Dividendenrendite und ist bilanziell hervorragend aufgestellt. Der Wachstumsmotor, der Paketdienst GLS, ist weiter am Brummen und sollte bald das rückläufige Briefgeschäft kompensieren. Wir gehen davon aus, dass die Aktie sich mindestens wieder in die langfristige Tradingrange zwischen 4,5 und 7 Euro bewegen wird und sehen eine Verdopplungschance auf dem jetzigen Kursniveau.

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