Medigene – Biotech mit 100% Kurchance

Bildquelle: Medigene AG

Eines der erfolgreichsten Biotechnologieunternehmen Deutschlands hat bis auf einen Buchungsfehler ordentliche Zahlen für das letzte Geschäftsjahr vorgelegt. Dies könnte sich nun als Chance erweisen. Operativ kommt das Unternehmen gut voran und erzielt kontinuierlich Entwicklungsfortschritte und die Bilanzstruktur wie Finanzierungssituation sind solide.

Das erste Biotechnologieunternehmen Deutschlands welches Einnahmen aus einem zugelassenen Medikament erzielte und eine Zulassung bei der amerikanischen FDA erfolgreich beantragt und durchgeführt hat konzentriert sich auf die Entwicklung personalisierter Immuntherapien mit einem Fokus auf Autoimmun- wie Krebserkrankungen.

Als aussichtsreichste, eigene Wirkstoffe von Medigene gelten dendritische Zellimpfstoffe (DC Vaccine) zur Behandlung von Prostatakrebs sowie akutermylaischer Leukämie. Hier laufen derzeit eine Phase II Studie an der Universitätsklinik in Oslo (Prostatakrebs) sowie eine Phase I/II Studie am Universitätsklinikum München (Leukämie). Mit Bluebird Bio besteht eine wichtige Kooperation zur Erforschung von T-Zellen Therapien zur Behandlung von Krebs. Der Bluebird Deal könnte Medigene beim Erreichen der präklinischen, klinischen, regulatorischen und kommerziellen Ziele über eine Milliarde US Dollar einbringen.

Die für 2018 veröffentlichten Zahlen waren im Großen und Ganzen im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Da die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) die Verbuchung bezüglich der Abtretung der Lizenzansprüche des Krebsmedikaments Eligard im Konzernabschluss bemängelte musste der Umsatz im vergangenen Jahr um 2,5 Millionen Euro nach unten korrigiert werden. So fielen die Umsätze mit 7,8 Millionen Euro niedriger aus als die angepeilte Spanne zwischen 9,5 und 10,5 Millionen Euro. Der operative Verlust (EBITDA) lag mit 16,3 Millionen am unteren Ende der erwarteten 16 bis 18 Millionen Euro. Niedriger als erwartete Forschungsausgaben von 10,3 Millionen führten in Verbindung mit einer Kapitalerhöhung zu einem Barmittelbestand in Höhe von 71,4 Millionen Euro, welcher deutlich über dem Vorjahresniveau von 51,7 Millionen Euro liegt.  

Zuletzt gab es operativ eine Reihe guter Nachrichten. Erstens konnten positive Zwischenergebnisse der Phase-II Studie zur Entwicklung von Impfstoffen für Patienten mit akuter myeloischer Leukämie vermeldet werden. Die Zellimpfstoffe zeigten ein ausgezeichnetes Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil. Die Studie soll bis Jahresende abgeschlossen werden. Zweitens wurde ein exklusiver Lizenzvertrag über einen chimären kostimulatorischen Rezeptor zur Behandlung von Tumoren mit dem Helmholz Zentrum München geschlossen.

Medigene ist ein solide durchfinanziertes Unternehmen mit einer sehr hohen Eigenkapitalquote. Die Fehlbuchung im einstelligen Millionenbereich ist nicht gravierend. Die T-Zellen Therapien sind nach der Zulassung der Wirkstoffe Kymriah und Yescarta der Pharmariesen Novartis und Gilead in aller Munde. Medigene erzielt weiter Fortschritte in der Entwicklung. Die Aktie ist im Sektorvergleich deutlich unterbewertet nachdem sie von einem 52 Wochen Hoch bei 18 Euro auf mittlerweile knapp über 8 Euro gefallen ist. Hier besteht Verdopplungspotential.

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